Bericht SWR-RP

MEINE MEINUNG

Leserbrief Siegener Zeitung

Leserbrief Rheinzeitung

 

... Die im Dunkeln sieht man nicht

 

Bei der Entlassfeier der diesjährigen Abiturienten des Freiherr- vom- Stein Gymnasiums Betzdorf sprach auch der Landrat des Kreises Altenkirchen, Herr Michael Lieber, einige Grußworte und übermittelte seine herzlichsten Glückwünsche.

In seiner Rede bediente er sich unter anderem der Schlussstrophe der Morität aus Brechts Dreigroschenoper, die da lautet:

“Denn die einen sind im Dunkeln und die andern sind im Licht. Und man siehet die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.”

In der weiteren Folge seiner Ansprache forderte er die frischgebackenen Abiturienten und Abiturientinnen auf, auch die nicht zu vergessen, die im Dunkeln stehen.

Welch gute Anregung, Herr Landrat Lieber! Darf ich Sie in diesem Zusammenhang an Herrn

Dhin-Chi Luu erinnern? Herr Luu wurde durch die Abschiebung in sein Heimatland in tiefes Dunkel verbannt, denn die dortigen Behörden erkennen Herrn Luu offiziell nicht an.

Da ihm die Anmeldung verweigert wird, hat er keine Chance, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, keine Möglichkeit eine Wohnung zu mieten oder einen Arzt aufzusuchen, obwohl er zwischenzeitlich erkrankt ist.

Herr Luu hat keine Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben in Vietnam.

Herr Landrat Lieber, bitte gehen Sie den jungen Erwachsenen mit gutem Beispiel voran:

Vergessen auch Sie nicht die, die im Dunkeln stehn!

Füllen Sie Ihre Worte mit Leben und lassen Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten Taten folgen, denn nicht an unseren schönen Worten müssen wir uns messen lassen, sondern ausschließlich an unseren Taten.

Mechthild Weber

Löcherbach 1

57572 Harbach

02734/8688

 

Leserbrief Siegener Zeitung 23.03.07

Leserbrief Rheinzeitung 23.03.07

 

Ein Herz für Herrn Luu.......

Sehr geehrter Herr Landrat Lieber,

ich bitte für Herrn Dhin Chi Luu, der immer noch abgeschoben ist, ins Elend,

krank und ohne Arbeit, dort in Vietnam nicht gewollt ist und sich nicht polizeilich anmelden darf.

Alle seine Freunde sind hier bei uns. Hier fühlte er sich wohl. Hier hat er ein Zuhause, wo er nicht mehr sein darf.

Wie würden Sie sich fühlen, Herr Landrat Lieber, wenn man Ihnen alles nimmt. Ihr zu Hause,

die Heimat, Ihr Recht auf Arbeit somit kein Geld um zu überleben, Ihre Freiheit, ----- ja sogar das Recht ein Mensch zu sein. ----- Hat Herr Luu es verdient zu vegetieren wie ein Vieh? Nein sogar dem geht es besser als ihm. Auf Gottes Entscheidungen haben wir keinen Einfluß. Aber die von Menschen ausgedachten Gesetze,Verbote, Paragraphen usw. lassen sich auch von Menschen wieder ändern.

Geht nicht ----- gibt’s nicht

Wo ein Wille --- da ist ein Weg

Und nichts ist unmöglich mit gutem Willen, Herzlichkeit und Mitgefühl.

“Viele sagten, das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und tat es einfach”.

Ich glaube fest daran das auch für Herrn Luu einer kommt und “tut”. Dieser wird sein Leben retten und alles wird gut.

Machen Sie Ihr Herz auf und zeigen Sie Erbarmen. Lassen Sie Gnade vor Recht walten.

Tausend Herzen sind für Herrn Luu. Tun Sie eins dazu. Schauen Sie tief hinein, denn Sie sind ein Christ und wollen auch so handeln.

Wir alle werden dann stolz auf unseren Landrat sein.

                                                                                               Helga Krahn aus Niederfischbach

 

Email vom 19.03.2007

Hallo

Bin durch Zufall auf diese Seite gelangt.

Die Situation von Herrn Luu hat mich sehr traurig gemacht.

Ich bin selber halb Grieche und halb Italiener und hatte das Glück mich in Deutschland zu bilden und hab eine erstklassige Erziehung genossen.

Ich kann verstehen wenn man ausländische Mitbürger abschiebt, die den Staat berauben, nebenbei schwarz arbeiten und dazu noch krumme Dinger drehen.

Ich kann es auch verstehen, wenn mann ausländische Jugendliche abschiebt, die von VIVA, MTV und den rest der Medien beeinflusst werden und diesen teils negativen Einfluss sich auf die Gesellschaft überträgt. Die Eltern und das Umfeld sind dran schuld.

Was ich aber nicht verstehen kann sind Abschiebungen von ehrenwerten Bürgern, die einen Job, Anstand, Respekt gegenüber anderen sowie ein soziales Verhalten aufweisen.

Leute wie Herr Luu können eigentlich nur positiv für Deutschland sein.

Meiner Meinung nach machen solche Fehlentscheidungen die Menschheit zu dem, was die Menschheit heutzutage repräsentiert.

Mit freundlichem Gruss

Georgios Mavridis

Rankestr. 10

50670 Köln

 

Email vom 12.03.2007

Herr Luu ist nicht mein Freund!

Auch ich war auf dem Informationsabend der BI für "Heimkehr für Dhin Chi Luu". Sein Schicksal hat mich berührt und ich wollte mich über den Sachstand informieren. Sicherlich haben unser Landrat und seine Behörde bei der Abschiebung des Herrn Luu nach geltenden Gesetzen gehandelt. Persönlich kenne ich Herrn Luu auch nur von den Begegnungen in unserem Ort. Er hat immer freundlich gegrüßt und wenn meine dreijährige Tochter dabei war, hat er Grimassen gemacht. Nicht immer zur Freude meiner Tochter.

Dann habe ich von seiner Abschiebung gehört. Erfahren, dass er bereits über 16 Jahre in Niederfischbach verbracht hat und somit zu uns gehört hat. Es mag zwar kein offizielles Gesetz sein, aber wer es als "Fremder" über 16 Jahre mit uns Niederfischbachern aushält, gehört dazu!

16 lange Jahre hat unser Staat benötigt um festzustellen, dass Herr Luu dann doch nicht dazu gehört. Wenn es auch verwundert, aber so mag unser Rechtssystem sein. Was ich aber nicht verstehen kann, dass wenn bekannt ist, das am 17. November eine Neuregelung des Ausländergesetzes in Kraft tritt und voraussichtlich dieses Gesetz Herrn Luu zu Gute kommen wird, ihm am 28. Oktober abzuschieben. In meinen Augen ist das so, als wenn man ein Todesurteil vollstreckt obwohl man weiss, dass in 14 Tagen ein Entlastungszeuge erscheinen wird. Ich glaube auch nicht, dass es nicht möglich gewesen wäre auf diesen Termin zu warten. Es gibt immer die Möglichkeit eine Akte vom oberen Stapel nach unten verschwinden zu lassen. Bei fast jedem Untersuchungsausschuss verschwinden komischerweise Akten, meist dann, wenn diese Akten einem hochrangigen Politiker schaden würden.

Eine Bitte an unseren Landrat und zur Erinnerung: Herr Luu ist nicht mein Freund, aber er fehlt hier! Herr Lieber, Sie sind Christ Demokrat, bitte seien Sie im Fall von Herrn Luu mehr Christ als Demokrat und setzen Sie sich dafür ein, dass Herr Luu wieder in unsere Gemeinde zurückkehren kann.

Mit freundlichen Grüßen

Gerd Braas
Bachstraße 2
57572 Niederfischbach
 

Email vom 12.03.2007

Hallo Herr Merzhäuser,

ich wollte ihnen noch einmal sagen, wie gelungen ich die Veranstaltung am 7.3. fand. Ihre Darstellung des Schicksals von Herrn Luu war sehr sachlich und informativ. Es wurde noch einmal ganz deutlich wie Widersprüchlich die Abschiebung zu diesem Zeitpunkt war.

Die große Anteilnahme der Menschen hat mich sehr beeindruckt.

Viele Grüße

Brigitte Schulz-Wagner

 

Email vom 08.03.2007

Danke Euch allen für den informativen Abend am 07.03. im Pfarrzentrum in Niederfischbach!
Mein Wunsch für Herr Luu:
Ich wünsche dir einen Engel,
der da ist,wenn du ihn brauchst,
der dir hilft und dich beschützt,
dich zuversichtlich macht.
Wir vergessen dich nicht!

Den Behörden in Altenkirchen möchte ich sagen:
Zu Hause ist man,
wo das Herz ohne Scheu lachen
und in Ruhe seine Tränen
trocknen lassen kann!!!!!!!!!

Einen lieben Gruss an alle,die an ihn denken!

Bettina Braas
 

Email vom 16.02.07

Da ich auch aus Niederfischbach bin, kenne ich Herrn Luu, wenn auch nur vom sehen. Da er über Jahre hier gelebt hat , ist er mir natürlich auch begegnet. Warum er hier war habe ich erst über die Berichte in der Siegener Zeitung erfahren. Zu Anfang der Berichterstattung bin ich eigentlich davon ausgegangen, dass es Herrn Luu unter den gegebenen Umständen erlaubt würde bei uns zu bleiben.
Als dann die Nachricht von der Abschiebung kam, habe ich es nicht fassen können, dass das tatsächlich und besonders auf eine solche Art und Weise, geschehen konnte.
Eben diese Art und Weise und vor allem die im Nachhinein ausgeübte „Rechtfertigung“ haben mich doch sehr erschüttert. Selbst wenn nach „ Recht und Gesetz“ vorgegangen wurde – es gibt ein moralisches Gesetz dass eine andere Sprache spricht.
Gerade in einem Land, mit einer solchen Vergangenheit sollte man besonders sensibel auf diesen Unterschied reagieren.
Die Geschichte von Herrn Luu war bekannt und wiederholt bekannt gemacht worden.
Er war in Niederfischbach aufgenommen und eingebürgert.
Er hatte den Willen und die Möglichkeit zu arbeiten.
Wo also liegt in der trotz allem erfolgten Abschiebung, wie von Herrn Lieber behauptet, auch noch ein moralisches Recht?
Für mich ist ein Politiker, der nur nach dem von ihm ausgelegten und genehmen Buchstaben des Gesetzes und nicht auch nach ethisch-moralischen Gesichtspunkten handelt wenn es darauf ankommt, kein „Volksvertreter“. Mich und viele andere, nicht nur aus Niederfischbach, vertritt er jedenfalls nicht.
Da ich leider die Unterschriftenaktion nicht mitmachen konnte, möchte ich auf diesem Weg sagen, dass ich hoffe und wünsche,
dass der Kampf für die Rückkehr der Herrn Luu nicht verloren geht und ich würde mich sehr freuen ihm – und zwar bald – wieder in unserem Ort zu begegnen.

I.Wingendorf , Niederfischbach
 

Leserbrief Siegener Zeitung 07.02.07

Leserbrief Rheinzeitung 12.02.07

Niederfischbacher taten etwas für die Gerechtigkeit

Zur Diskussion um die Abschiebung des Vietnamesen Dinh Chi Luu

Tausend Unterschriften für einen Ausländer lassen auch andere Menschen im Kreisgebiet aufhorchen. Das zeigt doch die Zivilcourage der Niederfischbacher, die sich auf die Seite der Schwachen gestellt haben. Viele Ältere dürften das Gefühl von “Abschiebung” noch aus eigener Erfahrung kennen, nur nannte man das früher “Vertreibung”; Millionen Deutsche haben es nach dem Krieg 1945 erlebt, und Millionen haben es auch heute noch in Erinnerung. Dann gab es nach dem Krieg eine Zeit, in der die Deutschen im – überwiegend europäischen – Ausland Millionen Arbeiter angeworben haben, um in Deutschland Arbeitsstellen zu besetzen. Auch das ist schon einige Jahre her.

Dann gab es auch ein Schiff, die Cap Anamur, die viele Hunderte Vietnamesen aus dem Meer gerettet hat. Viele der geretteten Menschen fanden eine Heimat in Deutschland. Auch das ist noch nicht vergessen.

In Reiseberichten wird oft die Gastfreundlichkeit in anderen Ländern erwähnt und gelobt. Deutschland ist ein reiches Land, aber es hat Gesetze und Verordnungen, die die Gastfreundschaft vernichten. Weiß der Himmel, wer sie gemacht und an die Kreisverwaltung weitergegeben hat.

Dann gab es in Deutschland 2006 eine Fußballweltmeisterschaft unter dem Titel “Zu Gast bei Freunden”. Auch das ist schon wieder Schnee von gestern. Dann gibt es im christlichen Abendland noch zehn Gebote, sie sind zwar schon 2000 Jahre alt, aber da steht auch was drin von Nächstenliebe, Du sollst den Nächsten lieben wie dich selbst. Alles so Gedanken...

In den Zeitungen steht dann von einem Mann Luu aus Niederfischbach, der vornehm mit einem Flugzeug und in Begleitung nach Vietnam zurückfliegen musste.

Der Mann ist mir unbekannt, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er in Niederfischbach einen Menschen brotlos gemacht hat, dafür aber seine Freiheit verloren hat.

Was die Tausend in Niederfischbach gedacht haben und auch weiter denken, ist ja nicht bekannt. Aber sie haben auf jeden Fall etwas für die Gerechtigkeit getan, was man den Gesetzesmachern und den Verwaltungen nicht bescheinigen kann.

Vorstellen kann ich mir aber, dass die Politikverdrossenheit und die Wahlmüdigkeit irgendwo ihre Wurzeln hat.

Johannes Weber (Jahrgang 1929), Katzwinkel, Alte Poststraße 39.

 

Leserbrief Rhein Zeitung 07.02.07

“Kaltschnäuzigkeit bei Kreis”

Die Entscheidung, den Vietnamesen Luu abzuschieben, stößt auf Unverständnis

Ich bin so entsetzt über die Kaltschnäuzigkeit von Landrat Lieber, dass mir die Worte fehlen. Ich möchte ihn am liebsten fragen, wie gut man mit so einem “reinen Gewissen” schlafen kann. Seine fadenscheinigen Gründe kaufen ihm doch nur die ab, denen es selbst an Mitgefühl fehlt. Aber er wird sich verantworten müssen.

Sabine Hohmann, Katzwinkel

 

Leserbrief Siegener Zeitung 03.02.07

Von Recht und Moral

Zur Berichterstattung über die Abschiebung des Vietnamesen Dinh Chi Luu:

Es ist fast nicht mehr zu ertragen. Wenn Herr Dr. Krell düpiert wird mit dem Satz “Entgegen der Auffassung des Abgeordneten Dr. Krell hat der Kreis auch moralisch einwandfrei gehandelt”, und wenn dann der “liebe Michael” (Michael Lieber) noch einen draufsetzt mit den Worten “Es ist höchst verwunderlich, wenn ein Abgeordneter sich hinstellt und behauptet, Recht und Moral würden im Fall Luu auseinanderklaffen”, dann empfehle ich Herrn Lieber, sich einen vor einigen Wochen veröffentlichen Leserbrief mit dem Titel “Moralisches Verbrechen” ins Gedächtnis zu rufen oder hinter die Ohren zu schreiben.

Toni Morgenschweis, Niederfischbach, Hahnseifenstraße 47

 

Leserbrief Siegener Zeitung 10.11.06

Moralisches Verbrechen

Zum Artikel “Kreisverwaltung schiebt Herrn Luu nach 15 Jahren ab” (SZ vom 24. Oktober und Folgeberichte).

Herr Luu war mir, so kann ich ohne Vorbehalte sagen, persönlich gut bekannt. Er war ein freundlicher, lebensbejahender, fleißiger einfach ein lieber Mensch. Ich habe verschiedentlich zusammen mit ihm gescherzt. Einmal sagte ich zu ihm, du bist garantiert ein Bruder von Takeo Ischi, dem jodelnden Japaner aus Bayern. Dann lachte er und sagte, nein, ich bin Vietnamese. Was die Integration anbetrifft, so brauchte man ihm jedenfalls kein Deutsch beizubringen, wo doch immer so großer Wert bei Emigranten auf die deutsche Sprache gelegt wird. Für mich ist die ganze Sache ein moralisches Verbrechen. Haben sich gewisse Herren, die im öffentlichen Dienst sind und unkündbar, einmal darüber Gedanken gemacht, was unter Umständen mit Herrn Luu passiert, wenn er dahinten in Vietnam einfach ausgeladen oder abgesetzt wird oder mittlerweile schon ist? Bestenfalls wird er nach Verhören wieder laufen gelassen – aber nur bestenfalls.

Toni Morgenschweis, Hahnseifenstraße 47, Niederfischbach

 

Leserbrief Siegener Zeitung 08.11.06

Kreisverwaltung unmenschlich

Zum Artikel “Kreisverwaltung schiebt Herrn Luu nach 15 Jahren ab” (SZ vom 24. Oktober und Folgeberichte).

Die Abschiebung von Herrn Luu ist zwar schon über zwei Wochen her, aber die Wut und das Unverständnis über die Art und Weise der Abholung und Abschiebung sind nach wie vor nicht verebbt. Die Fragen, die seitdem aufgekommen sind, konnte noch keiner so richtig beantworten.

So spricht die Ausländerbehörde der Kreisverwaltung AK in Herrn Luus Fall von “einer nicht gelungenen Integration”. Das ist in unseren Augen zweifelhaft, vielleicht sogar anmaßend, und wir fragen uns: Wer entscheidet über gelungene Integration bzw. kann man überhaupt eine solch existentielle Entscheidung aus der Distanz eines Behördenzimmers heraus entscheiden? Haben Sie Herrn Luu in Niederfischbach erlebt? Haben Sie gesehen, wer ihn kennt, wer gerne mit ihm gesprochen hat, wem er alles geholfen hat, einfach so, durch Rat und Tat, als Freund? Integration hat sicherlich auch mit einem geregelten Arbeitsverhältnis zu tun. Aber da beißt sich die Katze in den Schwanz. Herrn Luus befristete Duldung bedingte, wenn überhaupt, auch nur eine befristete Arbeitsgenehmigung, und das wiederum ein befristetes Arbeitsverhältnis. So konnte er wegen dieser scheinbar willkürlich erteilten Duldungen immer nur vorübergehend arbeiten. Dank gebührt dem Arbeitgeber, der den damit verbundenen Zeit- und Geldaufwand nicht gescheut hat.

Warum wird jemand daran gehindert, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen, wenn die Möglichkeit dazu besteht? Warum erfolgte eine Nacht- und Nebelaktion mit Hund, um Herrn Luu abzuholen? Warum ist der Ermessensspielraum in anderen Behörden wesentlich größer und günstiger, und wer profitierte in Altenkirchen von dieser schnellen Abschiebung?

Warum wurde das Gerichtsurteil nicht abgewartet, sondern unüblicherweise per Telefon eingefordert? Damit Herr Luu auf jeden Fall nicht die Möglichkeit der Altfallregelung nutzen konnte?

Schon merkwürdig, Herr Luu ist in unseren Augen in Niederfischbach sehr wohl bei sehr vielen Leuten willkommen, und er ist hier mit Sicherheit mehr zuhause, als er es in Vietnam je sein wird.

Schade und traurig. Von Menschlichkeit keine Spur. Warum musste es soweit kommen?

Pfarrgemeindeausschuss “Fremde”: Agnes Rumrich, Gisela Zart, Ulrike Zart.

 

Leserbrief Siegener Zeitung  26.10.2006

Ist Unrecht heute Recht?

Zum SZ-Artikel “Kreisverwaltung schiebt Herrn Luu nach 15 Jahren ab” vom 24. Oktober:

Dieser Artikel, kurz vor Beginn der Sprechstunde gelesen, zeigt mir: “Deutschland, Du bist gefühlsmäßig zum Wintermärchen erstarrt.” Meine Mitarbeiterinnen und ich konnten es nicht fassen, dass der von uns so geschätzte Nachbar und eigentlich schon gute Bekannte, der immer freundlich und hilfsbereit und nett war, jetzt bereits abgeschoben ist nach Vietnam, ein Land, das er aus politischen Gründen vor 15 Jahren verlassen hat, einer ungewissen Zukunft entgegen, ohne Verwandte, ohne Freunde.

15 Jahre lebte Herr Luu in unserer Mitte. Er wurde von uns allen geschätzt und gemocht. Ein solches Vorgehen wirft ein fragliches Licht auf unsere Behörden. Auch die Methode der “In-Verwahrungsnahme” erinnern an Zeiten, die aus heutiger Sicht verurteilt werden und die ich durch meinen Geschichtsunterricht gelernt habe, als menschenverachtend abzulehnen. Ist Unrecht heute Recht? Kann Recht so gebrochen werden? Und wer darf über diese Art von Recht entscheiden?

Herr Luu ist bereits in Vietnam. Seine Stimme ist nicht mehr zu hören, aber ich gebe ihm meine und werde alles dafür tun, dass er hoffentlich bald wieder in seiner Heimat Niederfischbach ist.

Die Sprechstundenhilfen von Dr. Blad und die Apothekenhelferinnen der Adler-Apotheke: Carola Rosenkranz, Sandra Baum, Inka Ebermann, Sibylle Schulte, Doris Springer und Julia Bolcky.